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Wir leben in einer Kultur des Overkill.
Kann es verwundern, in ihr auf Gewalt zu stoßen?
Thomas Merton, Gewaltlosigkeit, Benziger Verlag Zürich 1986, S. 323
„Overkill“ – ein interessantes Wort.
Es entstand Ende der 1950-er Jahre im Kontext des Kalten Krieges, als die Atommächte fähig waren, die Welt mehrmals mit ihren Waffen zu vernichten. Maßlose Zerstörungsmöglichkeit. Grenzenloses Machtgehabe.
In diesen Zusammenhang hinein hat Thomas Merton diesen Satz gesprochen.
Sein Fazit: Kein Wunder, dass die Kultur des Overkill immer auch Gewalt beinhaltet.
Schon etwa 10 Jahre später wurde der Begriff auch auf andere Lebensbereiche angewendet.
Nicht mehr nur „mehr Waffen als nötig“, sondern auch
„mehr Geld als einsetzbar“,
„mehr Information als aufnehmbar“,
„mehr Leistung als verkraftbar“,
„mehr Angebote als überblickbar“,
„mehr Aufwand als lebbar“.
Auch heute begegnet uns der Overkill an allen Ecken und Enden unserer großen, weiten Welt … und auch in unseren kleinen, privaten Welten.
In unserer Gesellschaft leiden wir unter Informations-Overkill, Kritik-Overkill, Bürokratie-Overkill und Konsum-Overkill … in unserem persönlichen Leben eher unter Emotions-Overkill, Termin-Overkill, Medien-Overkill und Freizeit-Overkill.
Und weil Overkill jeden Menschen überfordert, führt er immer zu einem negativen Ergebnis … zu Hass, Verachtung, Hochmut, Missachtung, Gleichgültigkeit, Sucht, Egoismus – alles Spielarten von Gewalt, wenn man näher hinschaut.
Hier liegt Thomas Merton also richtig.
Inmitten der Maßlosigkeit des Lebens müssen wir uns bewusst werden, was da eigentlich um uns und in uns abgeht. Vielleicht helfen diese Fragen dazu:
Was ist wirklich wesentlich und was dient dem Leben?
Warum tue ich, was ich tue – aus Liebe oder aus Angst?
Wie viel ist genug?
Wem dient, was ich tue und wohin führt mein Handeln?
Wer bestimmt eigentlich mein Maß?
Woran würde ich merken, dass ich meine Maßlosigkeit überwunden habe?
Was gewinne ich, was verliere ich?
Welcher Mensch werde ich, wenn ich so weitermache?
Was ich auf jeden Fall von Thomas Merton lerne:
Sollten sich in meinem Inneren mal Gewalttendenzen irgendwelcher Art abzeichnen,
weiß ich, dass ich mittendrin bin im Overkill.




