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Wer könnte auch wohl mehr zu beklagen sein,
als ein neidischer Mensch?
Während es ihm frei steht, sich über das Glück seiner Mitmenschen zu freuen und aus dieser Freude überdies noch Gewinn zu erzielen, zieht er vor, sich zu betrüben.
Johannes Chrysostomos (349 bis 407), aus: Ausgewählte Reden, Jazzybee Verlag, Altenmünster, S. 11
Neid ist so alt wie die Menschheit. Die Bibel erzählt auf ihren ersten Seiten bereits die Geschichte der Brüder Kain und Abel. Kain war neidisch auf seinen Bruder, weil Gott dessen Opfer offensichtlich mehr schätzte als sein eigenes. Was folgte war … Mord.
Deutlicher kann die toxische Wirkung des Neids nicht erzählt werden.
Doch:
Ist Neid eigentlich immer derart schädlich? Gibt es nicht auch eine „gesunde“ Seite von Neid?
Ja. Die gibt es meiner Meinung nach.
Neid, der nicht zerstört,
der in Bewunderung gewandelt wird,
der Ansporn auslöst,
der Innovation lehrt,
der Veränderungsbereitschaft fördert.
Neid ist ein Gefühl – und jedes Gefühl ist nicht grundsätzlich schlecht, kann aber giftig werden.
Doch leider ist Neid ein Gefühl, das viel zu selten „positiv“ ausgewertet wird. Dann geschieht sehr schnell das, warum Neid in der Kunstgeschichte oft als Monster dargestellt wird: er zerfrisst sich selbst von innen.
Das Ergebnis:
wir werden unzufrieden, ärgerlich, verbittert, ungerecht.
Ein weiteres Ergebnis:
Wir treten ungewollt ein in einen Wettkampf mit anderen.
Wir prahlen und protzen, obwohl das eigentlich gar nicht zu uns passt.
Wir geben alles (und alles auf), um genauso gut oder besser dazustehen.
Das ist anstrengend,
kostet Kraft,
macht krank,
fördert Schadenfreude und
produziert Heuchelei.
Unser Blick wird finster … und irgendwann blicken wir nicht mehr, wer wir eigentlich sind.
Wir verlieren uns selbst aus dem Blick – unser Glück und unsere Fähigkeiten.
Deshalb warnt Jesus so eindringlich vor Neid:
„Wenn dein Auge durch Neid oder Habgier getrübt ist, ist deine ganze Erscheinung finster.“
(Die Bibel in Matthäus 6,23 GNB)
Deshalb:
Konzentriere dich auf das, was du hast,
Beobachte, was du kannst,
Schau auf das, was dir gelingt,
Entdecke, wer du ohne andere bist.
Sei dankbar.
Mach dir bewusst, wie beschenkt du bist.
Und wenn du mal wieder neidisch wirst:
Finde heraus, was in deinem Leben wirklich wesentlich und wirklich wahr ist.
Entdecke deine Motive und deine Sehnsüchte.
Gönn dir den schonungslosen und freundlichen Blick auf dich selbst –
und gönne anderen ihr Glück.
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