Alltags:Leben Zusammen:Leben

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    Den größten Teil des Tages fordert das Leben von uns
    nichts als ein Gleichgewicht,
    eine Bereitschaft,
    offene Augen und Ohren,
    freie Hände.
    Ralph Waldo Emerson (1803 bis 1882)

    Eine schöne, aufmerksame und interessante Beobachtung des Philosophen und Theologen Ralph Waldo Emerson über die „(An)Forderungen“ unserer Tage:
    Gleichgewicht brauchen wir … und Bereitschaft … und offene Augen, offene Ohren … und freie Hände.

    Zuerst zum Gleichgewicht:
    Es braucht so viel, um im Gleichgewicht zu sein – und es braucht so wenig, um ins Ungleichgewicht zu kommen. 
    Deshalb führe ich seit Jahren eine Art „Gleichgewichtsliste“, die ich regelmäßig lese.
    Sie beginnt mit der Frage „Bin ich noch im Gleichgewicht?“
    Ich beantworte sie mir (meist im Gespräch mit vertrauten Menschen und mit Gott) anhand einer Liste von Gegensätzen. Die sieht so aus:

    Bin ich noch im Gleichgewicht zwischen …
    … Ruhe und Arbeit? … Familie und Dienst? … Entspannung und Anspannung? … Hören und Tun? … Innen und Außen? … Zuhören und Reden? … Einsamkeit und Gemeinschaft? … Genießen und Fasten? … Träumen und Genügen? … Kaufen und Spenden? … Lesen und Nachdenken? … Empfangen und Geben? … Ja und Nein?

    Diese Liste ist im Lauf der Jahre länger geworden. Das liegt daran, weil ich im Lauf der Jahre immer wieder neue „Gleichgewichtsstörungen“ bei mir entdeckt habe.
    Diese Liste hilft mir, bewusst zu reflektieren und schneller wieder ins Lot und zur Ausgeglichenheit zu kommen.

    Dann zur Bereitschaft:
    Man könnte auch „Verfügbarkeit“ sagen, denn das Leben mit all seinen Herausforderungen und Einsätzen kommt mehr auf uns zu, als dass wir uns ihm nähern.
    Es geht im Leben nicht um bloße Betriebsamkeit, sondern um Bereitschaft.
    Es geht nicht um bloße Aktion, sondern um Disposition.
    Unsere Tage brauchen nicht so sehr unsere Leistung, sondern unsere Verfügbarkeit.
    Bereitschaft heißt: darauf achten, was auf uns zukommt – und dann reagieren.
    Vielleicht sind wir manchmal zu fixiert auf das, was wir selbst planen, dass wir darüber ganz die Bereitschaft für die Dinge vergessen, die uns unplanbar erreichen …

    Offene Augen und Ohren:
    Vieles im Leben beginnt mit dem Hinschauen und dem Hinhören: Jede Aktion, jede Re-Aktion, jede Unterstützung, jede Antwort, jeder Kommentar. Auch alle Hilfsorganisation sind durch Sehen und Hören entstanden. Jedes diakonische Projekt hat mit offenen Augen und Ohren begonnen.
    Im Bewusstsein dieser Zusammenhänge wünsche ich mir für jeden Tag meines Lebens:
    Offene Augen, die einen gütigen Blick weitergeben, weil sie selbst von Blick der Güte Gottes getroffen wurden.
    Offene Ohren, die sich ihren Mitmenschen zuwenden, weil sie selbst gehört wurden.
    Offene Augen für Menschen, die genau sehen, was sie brauchen.
    Offene Ohren für Worte, die zu Gutem motivieren und von nichts Gutem abhalten.

    Und zu guter Letzt die freien Hände:
    Gleichgewicht, Bereitschaft, bewusstes Sehen und Hören führt im Idealfall immer zur helfenden Tat.
    Leider sind unsere Hände nicht immer hilfs-bereit. Vor allem dann, wenn sie „besetzt“ sind, „voll“ sind.
    Dann müssen wir loslassen, befreien. entlasten.
    Wer das tut, hat die Hände frei zum Geben, Trösten, Stützen, Umarmen, Anschieben, Verteidigen.

    So will ich gerne leben:
    Im Gleichgewicht, bereit, aufmerksam und befreit – für alle Menschen, denen ich heute begegne.

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