Alltags:Leben Zusammen:Leben

    TIEF:VERBUNDEN

    Jedes Geschöpf ist mit einem anderen verbunden,
    und jedes Wesen wird durch ein anderes gehalten. 
    Hildegard von Bingen (1098 bis 1179)

    Wir sind immer irgendwie verbunden … mit allem, in dessen Gegenwart wir treten.
    Verbundenheit ist Geschöpf-Sein.
    Verbundenheit ist Eins-Sein.
    Verbundenheit ist Gehalten-Sein.

    Mir wurde das vor einigen Jahren einmal sehr deutlich.
    Damals war ich zum Pilgern zwischen Regensburg und dem Wolfgangsee unterwegs. Eine intensive Zeit.
    Während der Zeit bin ich an unendlich vielen „kleinen Welten“ vorbeigekommen.
    Kleine Weiler.
    Einzelne Häuser.
    Wälder voller Kraft.
    Felder voller Leben.
    Städte voller Energie.
    Dörfer voller Atmosphäre.
    Alles kleine eigene Welten.
    Manchmal bin ich daran vorbei gelaufen … manchmal mitten hindurch.
    Manchmal nur beobachtend … manchmal aktiv Kontakt aufnehmend.

    Auf unsere Lebenswege übertragen heißt das:
    Wir berühren auf unserem „Pilgerpfad zur Ewigen Heimat“ unendlich viele „Welten“.
    Mit allen sind wir dann kurze Zeit irgendwie verbunden, ob wir das merken oder nicht.
    Sie prägen uns, beeindrucken uns, erfreuen uns, berühren uns.
    Manche „Welten“ nehmen wir bewusst wahr – andere entdecken wir nicht einmal.
    Manche „Welten“ beobachten wir bewusst … in andere treten wir aktiv oder passiv ein.

    Und stellt euch das mal vor:
    Alle diese „Welten“ sind voll von Gott.
    Seine Gegenwart erfüllt alles.
    Sein Segen erhält alles.
    Seine Gnade trägt alles.
    Wir sind in diesen Welten also nicht nur mit ihnen ansich verbunden, sondern immer auch mit Gott.
    Nur spüren wir das leider so selten!
    Das liegt vermutlich daran, dass wir uns so wenig darauf besinnen,
    so wenig bewusst leben,
    so wenig gegenwärtig sind.
    Gott dagegen ist überall gegenwärtig – immer ist er von seiner Seite aus mit uns verbunden.

    Ich schließe daraus:
    Wenn wir zum Beispiel Einsamkeit bekämpfen wollen, müssen wir das mit der Waffe der Verbundenheit tun.
    Wir müssen Verbundenheit nähren und fördern und leben.
    Das geschieht immer dann, wenn wir einander begegnen – durch Zuhören, durch Vergebung, durch Mitleiden, durch Geschichten, durch Worte, durch Nähe. Und es geschieht dann, wenn wir für unsere Mitmenschen eine Verbindung zu Gott öffnen.
    So wird möglich, was sich viele ersehnen:
    Tiefe Vertrautheit.
    Spürbare Einheit.
    Geheimnisvolle Verbundenheit.

    Übrigens:
    Interessanterweise spricht der ganze Aufbau unseres Körpers von dieser Verbundenheit:
    Unser Gesicht sucht die Gegenwart anderer Menschen,
    unsere Hände strecken sich nach der Welt aus,
    unsere Füße sind auf’s Begegnen aus.
    So hat Gott uns geschaffen. Wir sind angelegt auf Verbundenheit.

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