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VORTEIL:SUCHE

Gott wollte die Menschen miteinander verbinden.
So hat er es durch ein Naturgesetz geordnet,
dass der Vorteil des einen vom Vorteil des anderen abhängt.
Dieses Gesetz gilt in der ganzen Welt.
Johannes Chrysostomos (349 bis 407), aus: Christa Felicetti, Lebensweisheit der Kirchenväter, Verlag Styria Graz 2002, S. 131

„Ein Naturgesetz“ – So verbindlich?
„In der ganzen Welt“ – So umfangreich?
Stimmt das?

Könnte sein.
Denn wir alle suchen nicht selten unseren Vorteil,
wollen nicht benachteiligt sein,
möchten nicht verlieren.
Um das zu erreichen haben wir uns im Lauf des Lebens und durch das Vorbild anderer unterschiedliche Handlungsmuster angeeignet:
Wir setzen auf (Vor-)Urteil, weil wir so besser da stehen.
Wir verachten den Bruchteil, weil wir nur das Ganze wollen.
Wir sind unfähig zum Gegenteil, weil wir nur in eine Richtung denken.
So zählt nur, was uns neue Möglichkeiten eröffnet,
nur, was uns Gewinn verspricht,
nur, was uns weiterbringt,
nur, was uns unentbehrlich macht,
nur, was uns gelassener macht.

Zugegeben, der „eigene Vorteil“ übt eine große Faszination auf uns aus – er fühlt sich erstmal gut an. Allerdings schneiden wir so die „Verbindung“ zu unseren Mitmenschen ab:
Wir profitieren einsam – und verweigern zusätzlich anderen Menschen ihren Vorteil.

Ein ganz anderes Handlungsmuster empfiehlt Chrysostomos. Er sieht einen naturgesetzlichen Zusammenhang zwischen unseren „Vorteilen“ und denen der anderen.
So kann er an anderer Stelle darauf hinweisen, „dass wir unseren Vorteil nicht finden, wenn wir nicht den Vorteil der Menschen suchen.“
Er meint damit nicht den egoistischen Vorteil, der auch ohne die Einbeziehung anderer verwirklicht werden kann. Er spricht vom Vorteil anderer, der untrennbar mit unserem Vorteil verknüpft ist.

Spielen wir das mal durch:
Wir sind alle auf der Suche nach Bereicherung, möchten weiterkommen, wollen wachsen.
In der Fixierung nur auf „uns selbst“ gewinnen auch nur „wir selbst“.
In der Suche nach dem Vorteil anderer gewinnt allerdings nicht nur der andere.
Ich selbst profitiere,
indem ich Türen öffne, die für andere bisher verschlossen waren,
indem ich Beziehung ermögliche, die bisher unmöglich war,
indem ich Möglichkeiten greifbar mache, die bisher unerreichbar waren.
indem ich Zuneigung verschenke, die bisher nur Sehnsucht war.

Und all das ist allemal wertvoller als einsam zu gewinnen.
Im tiefsten Grund verlieren wir nicht dadurch.
Wir machen Menschen glücklicher.
Wir gewinnen Verbündete.
Wir multiplizieren Großzügigkeit.
Wir ermöglichen Gemeinschaft.

Vermutlich deshalb hat Paulus den „Chrysostomos-Ratschlag“ ebenfalls veröffentlicht:
„Denkt nicht an euren eigenen Vorteil, sondern an den der anderen.“ (Die Bibel in Philipper 2,4)

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