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Beim Glauben geht es um Stille,
um die Stille hinter dem gesprochenen Wort.
Jonathan Sacks, Celebrating Life, Bloomsbury Continuum, London, 2000, S. 77
Der ehemalige britische Oberrabbiner Jonathan Sacks beschreibt in dem o.g. Buch die Rolle der Schweigens und des Hörens im Leben gläubiger Menschen.
Das Weiterdenken seiner Ausführungen führte mich zu folgenden Überlegungen:
Stimme ist nicht gleichzusetzen mit Worten.
Nicht jede Stimme hat Worte.
Manche Stimmen haben nur Töne.
Andere Stimmen wiederum leben vom Schweigen.
Stille z.B. sagt oft mehr als Worte.
Staunen spricht eine deutlichere Sprache als wortreiche Beschreibungen.
Schönheit wirkt oft mehr ohne Worte.
Es ist doch so:
Stimmen, die nicht hörbar sind, durchziehen die Welt.
Das sage nicht ich, sondern David in einem seiner Lieder:
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes,
und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.
Ein Tag sagt’s dem andern,
und eine Nacht tut’s kund der andern,
ohne Sprache und ohne Worte;
unhörbar ist ihre Stimme.
Ihr Schall geht aus in alle Lande
und ihr Reden bis an die Enden der Welt.
Psalm 19,2-5
Die Schöpfung Gottes hat keine Worte … und hat doch eine Botschaft.
„Die Himmel erzählen“ – „Ein Tag sagt’s dem anderen“ – „ohne Sprache und ohne Worte“ – „unhörbar ist ihre Stimme“.
Was David sagen will:
Die Schöpfung hat also eine Stimme – ohne Worte!
Und die sollten wir zur Sprache bringen, denke ich.
Außerdem:
Nicht jede Stimme ist laut.
Gottes Stimme schon gar nicht!
Als Gott sich Elia nach dessen lautem Triumph vor den Baalspriestern vorstellt, erscheint er ihm als „sanftes, feines Flüstern“. Heißt: Du kannst seine Stimme nur wahrnehmen, wenn du genau hinhörst.
Das hat Konsequenzen für alle Bereiche unseres Lebens – auch Konsequenzen für unser „geheimes Leben mit Gott“, für uns persönliches Gebet, die intimen Momente mit dem Heiligen Geist.
Kürzlich hab ich etwas darüber bei Mutter Teresa gelesen:
Eines Tages wurde sie von einem Journalisten über ihr Leben und ihren Glauben befragt. An einer Stelle des Interviews fragte der Journalist Mutter Teresa, was sie denn zu Gott sagt, wenn sie betet.
„Ich sage nichts,“ antwortete sie, „Ich höre nur zu.“
„Und,“, hakte der Journalist nach, „was sagt Gott?“
„Er sagt nichts,“ antwortete sie, „Er hört nur zu.“
Und bevor der verwirrte Journalist fragen konnte, fügte sie noch hinzu:
„Und wenn sie das nicht verstehen, kann ich ihnen das nicht einmal erklären.“
Gott wird in erster Linie gehört … und er hört zu.
Das ist Beten.
Beten lebt weniger von Worten, als von Hören.
Es gibt sicher noch mehr Bereiche unseres Lebens, in denen es nicht so sehr um Worte geht, sondern um Stimme.
Wie schön wäre es, wenn wir diese Woche einige Stimmen aus ihrer Vergessenheit holen könnten!


