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Die Lösung des schwierigsten Problems der Menschheit
liegt nicht im Verzicht auf technische Zivilisation,
sondern im Erreichen einer gewissen Unabhängigkeit von ihr.
Was die äußeren Gaben und Besitztümer betrifft,
gibt es nur einen angemessene Haltung –
sie zu haben und imstande zu sein, ohne sie auszukommen.
Abraham J. Heschel, Der Sabbat, Patmos Verlag, Ostfildern, 2022, S. 49
Manchmal haben wir ein „Masse-Problem“.
Wir sind Gefangene des Superlativen, Sklaven des Maximums, Diener des Idealen.
Wir müssen noch besser werden, noch mehr haben, noch extremer handeln.
Es geht immer nur um „schneller“, „weiter“, „höher“, „besser“.
Auch in Sachen „Besitztümer“ und „äußeren Gaben“ ist das so.
Manchmal hab ich schon darüber nachgedacht, ob es wohl auch einen „superlativen“, „maßlosen“ Glauben gibt – einen Glauben, der nur das Perfekte akzeptiert, der nur das Große erstrebt, der nur vom Maximum ausgeht … und der das Unperfekte, Schwache und Kleine gering achtet.
Im Masse-Denken jeglicher Art werden wir zu Gejagten, zu Getriebenen – und verlieren unsere Freiheit.
So werden wir ruhelos, nervös, schamlos, neugierig und grenzenlos.
Um dieses Masse-Problem zu lösen, brauchen wir eine Strategie. Die beginnt im Kopf und heißt: „Freiheit“.
Abraham Heschel drückt das mit den Worten aus „Gaben und Besitztümer zu haben und imstande zu sein, ohne sie auszukommen“.
Die Freiheit liegt darin,
sich selbst zu beherrschen, obwohl wir besitzen könnten;
zu verzichten, obwohl wir verzehren könnten.
Wir müssen lernen „diese Welt zu gebrauchen, als brauchten wir sie nicht“ (1. Korinther 7,31),
zu haben, als hätten wir nicht.
Das ist unsere Aufgabe für den Rest der Passionszeit –
ein Leben im Gleichgewicht, die Fähigkeit der Selbstbeschränkung, eine Haltung der Unabhängigkeit.


