Ohne Zuordnung

ADVENTS:VERGLEICH

So eine Gefängniszelle ist übrigens ein ganz guter Vergleich für die Adventssituation; man wartet, hofft, tut dies oder jenes – letzten Endes Nebensächliches –, die Tür ist verschlossen und kann nur von außen geöffnet werden.
Dietrich Bonhoeffer, in: Widerstand und Ergebung, Christian Kaiser Verlag, München, 1990, S. 76

Diesen Satz schreibt Dietrich Bonhoeffer aus dem Gefängnis an seinen Freund Eberhard Bethke am 21.11.1943.
Was für ein Vergleich!
Bonhoeffer ergänzt noch: „Das fällt mir nur eben so ein; glaube nicht, dass einem hier viel an Symbolen gelegen ist.“
Trotzdem gehen wir dieser Symbolik mal etwas nach …

Der Vergleich beginnt mit den sehr eingeschränkten „Handlungsweisen“ einer Gefangenschaft:
Warten auf die nächsten Entwicklungen,
Hoffen auf Freiheit und
Tun von Nebensächlichkeiten.
Hinter verschlossenen Türen ist oft nichts anderes mehr möglich – so lange bis die Tür „von außen geöffnet“ wird.
Und genau das bedeutet Advent.

In der Adventszeit ist die Tür noch verschlossen.
Es muss gewartet und gehofft werden.
Die Erfüllung der Sehnsucht ist noch nicht in Sicht und noch längst nicht erreicht.
Vieles, was wir tun können, bringt uns der Türoffnung nur zeitlich näher – trägt allerdings nichts Entscheidendes zum Durchbruch bei.
Den Schlüssel zur Öffnung haben nicht wir.
Denn Befreiung beginnt „von außen“.

Für diese Adventszeit heißt das:
Unsere Aufgabe ist das Warten und Hoffen. Wir müssen die Spannung und die Sehnsucht aushalten, dass die Tür noch nicht geöffnet ist. Die Spannung hält uns im Warten. Die Sehnsucht hält uns am Hoffen.
Die Tür ist noch verschlossen, aber das Leben innerhalb des Raums verschließt sich nicht.
Bleiben wir also da, wo wir sind – in der Gegenwart, im Augenblick, im Moment. Wir nehmen nichts voraus.
Leben hat immer noch Möglichkeiten, bietet immer noch Gelegenheiten.
Warten heißt doch: wir leben in Er:Wartung..
Nicht gelangweilt, nicht gequält – sondern geduldig und sehnlich.

Für die anderen Wartezeiten unseres Lebens heißt das:
Spannung und Sehnsucht, Geduld und Hoffnung – das sind die Grundhaltungen für solche Zeiten.
Nicht drängeln und drängen, nicht erzwingen und ertrotzen, wenn Situationen danach schreien, sofort beachtet zu werden.
Stattdessen:
Gegenwärtig leben – denn jeder Augenblick ist wertvoll.
Aufmerksam leben – wahrnehmen und annehmen, was geschieht.
Irgendwann öffnet sich die Tür.

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