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Das Gebet ist ein Rufen des Herzens, nicht etwa der Stimme oder der Lippen. Im Innern ertönt es – Gott hört es …
Die Sehnsucht betet stets, auch wenn die Zunge schweigt. Hast du immer Verlangen, so betest du immer. Bleibt in dir die Liebe, so betest du immer, hast immer Sehnsucht.
Wie viele rufen mit ihrer Stimme, sind aber stumm im Herzen – aber auch, wie viele schweigen mit den Lippen, rufen hingegen in heiliger Andacht, und Gott hört sie. Viel Liebe, nicht viele Worte, wenn du betest!
Augustinus Aurelius (354 bis 430),
aus: Reinhard Deichgräber (Hrsg.), Man hört nur mit dem Herzen gut, Brunnen Verlag 2009, S. 133
Als ob … sagt Augustinus:
Als ob Beten nur Worte wären!
Beten ist mehr als Reden.
Beten ist nicht immer hörbar.
Beten kann auch Schweigen sein.
Wie bei einem guten Gespräch:
Wer viel redet, vergisst zu hören und zu lernen,
bleibt bei sich selbst stehen,
denkt nur seine eigenen Gedanken.
Es ist doch so:
Die Worte Gottes sind bedeutungsvoller als meine Worte. Was ER sagt,
heilt Wunden,
schafft Veränderung,
stellt in Frage,
gibt Antwort,
weist Wege.
Wenn das so wahr ist, warum reden wir eigentlich so viel in unseren Gebeten?
Als ob Gott keine Gedanken hören könnte!
Gott ist jenseits unserer Wahrnehmungsmöglichkeiten.
Er spricht nicht nur hörbar – sondern auch fühlbar.
Er handelt nicht nur offensichtlich – sondern auch verborgen.
Er freut sich nicht nur über ausgesprochene Bekenntnisse – er freut sich auch über unausgesprochene Sehnsucht.
Er hört nicht nur Worte – er hört auch Gedanken.
Davon spricht auch die Bibel:
„Noch liegt mir kein Wort auf der Zunge, schon weißt Du, Herr, was ich sagen will.“ (Psalm 139,4 BB)
Was für ein Geschenk!
Das hilft beim Beten, adelt unsere Sehnsucht nach IHM und erschließt neue Möglichkeiten.
Als ob Liebe nicht das schönste Gebet wäre!
Liebe ist nicht in Worte zu fassen, aber sie spricht – ohne Worte.
Du weißt, dass das stimmt, wenn du dich voller Liebe nach einem Menschen sehnst.
Deine Sehnsucht ist auch wortlos vollständig,
kommt auch ohne Laute aus,
sie „betet, auch wenn die Zunge schweigt“.
Liebe ist oft sprachlos – auch die Liebe zu Gott.


