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Beurteile die Bücher nie nach dem, mit was sie im Anfang einleiten, sondern wozu sie am Ende hinleiten.
Ignatius von Loyola (1491 bis 1556)
Stell dir mal vor, das vergangene (Lebens)Jahr wäre ein Buch.
Was wäre dann der Inhalt der 365 Seiten?
Wie hast du begonnen? Erinnerst du dich noch?
Das war die Einleitung.
Satz für Satz, Seite um Seite … der Anfang des Jahres.
Ignatius behauptet, dass der Maßstab für die Beurteilung eines „Buches“ nie die Einleitung sein kann. Ein Buch wird ja „fortgeschrieben“.
Und so hat ein Jahr ebenfalls neben der „Einleitung“ des Anfangs auch eine „Fortleitung“ des Alltags.
Denk mal drüber nach, was andere in den zurückliegenden 12 Monaten wohl darin gelesen haben – und was du daraus lesen kannst:
- Was ist in den vergangenen Monaten aus dir geworden?
- Wann warst du nicht du selbst – und warum?
- Wo spürst du Nachholbedarf?
- Wofür bist du dankbar?
- Was hast du gelernt?
- Was hat dich geheilt – und was nur zerstreut?
- Was hatte Schönheit?
- Was bereust du?
- Welche Grenzen sind geblieben?
- Wo(hin) hat Gott dich geführt?
- Was ist deine Antwort auf diese 365 Seiten? Was kann daraus geboren werden?
Und mit den letzten zwei Fragen sind wir schon mittendrin in der Fortschreibung unseres Lebensbuchs. Denn in jedem Ende reift ein neuer Anfang. Es ist nie nur zu Ende – es ist immer auch die mögliche Wende (das reimt sich sogar). Demnächst beginnst du nämlich ein neues Buch … wieder mit 365 Seiten (im Jahr darauf sogar mit einer Seite mehr). Dem Ende des Alten folgt ein Anfang des Neuen.
Und wieder wird Seite für Seite gefüllt – mit Schwerem und Leichtem, Bedrückenden und Beglückendem, Unerklärlichem und Erklärbarem, Gegebenem und Bewirktem.
Wer ein Buch schreibt, macht sich vorher Gedanken.
Es ist sicher gut für uns, das „Jahrbuch 2023“ ebenso vorzubereiten. Ein paar Fragen dazu:
- Wovon gehst du aus?
- Wo willst du hin?
- Was soll aus dir noch werden?
- Was willst du dir erlauben?
- Was schreit nach Verfestigung, was nach Veränderung?
- Wer braucht deine Begleitung?
- Was willst du loswerden?
- Auf was bist du hungrig?
Du kannst die Fragen beliebig erweitern … die Antworten und Führungen findest du im Rückblick dann im Jahrbuch 2023.
Am 10. Juni 2022 veröffentlichte Katy Nichols das Lied „God is in this story“, das unser Leben mit einem „Story-Book“ („Geschichten-Buch“) vergleicht. Ihr Fazit singt sie im Refrain:
„Gott ist mitten in dieser Geschichte
Gott ist in den Details
Sogar in den zerbrochenen Abschnitten, hält er mein Herz.
Er lässt mich niemals im Stich.“
Ignatius von Loyola hätte sich sicher über diesen Text gefreut, denn das war auch seine Erfahrung mit Gott …


