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Geduld macht demütig im Glück, mutig im Unglück, sanftmütig gegen Unrecht und Kränkung.
Cyprian von Karthago (200 bis 258) in: Vom Segen der Geduld, Kapitel 20
Geduld ist einer der wenigen Verhaltensweisen, die nichts mit Worten zu tun hat … im Gegenteil, sie lebt sogar meist vom Nicht-Reden. Nicht Worte, sondern Taten. Nicht Antworten, sondern sanftmütig Erdulden. Geduld beantwortet Kränkungen nicht mit kränkenden Worten,
So beschreibt das Cyprian von Karthago in seiner Schrift „Vom Segen der Geduld“, die um 250 nach Christus entstanden ist.
Geduld, so sagt er, „hält die Zunge im Zaum“ und „leitet unser Tun und Lassen“.
Sie beweist sich mehr durch Taten und bewusstem Nein-Sagen.
Geduld ist kein tatenloses Warten, sondern ein tätiges Er-Warten.
Sie ist nicht stillstehend, sondern weitergehend.
Sie revanchiert sich nicht, sondern übersteht auch mal Gegenwind.
Sie lebt nicht vom Un-Mut, sondern vom Mut.
Geduld wird niemals handgreiflich – und lebt doch vom Handeln.
Mehr noch:
Wer geduldig ist, ist nicht in Eile. Situationen dürfen sich entwickeln. Menschen dürfen sich entscheiden. Gedanken dürfen auch mal überdacht werden. Handlungsweisen dürfen auch mal unvollkommen sein.
Mehr noch:
Andere Meinungen können akzeptiert werden. Andere Lebensmuster müssen nicht wegen mir verändert werden. Andere Glaubensformen dürfen gelebt werden.
Ich kann das (er)tragen.
Mehr noch:
Jesus spricht sogar davon, dass Gott – unabhängig vom Glauben an ihn – allen Menschen voller Geduld Gutes zukommen lässt. So vorbildlich geduldig ist er. „Er lässt seine Sonne über Bösen und Guten aufgehen und lässt es regnen für Gerechte und Ungerechte.“ (Matthäus 5,54 NGÜ)
Geduld ist flexibel – und hört nicht auf, allen Menschen Gutes zu tun.
Geduld ist elastisch – und kann auch mal „gegenteilig“ handeln … liebevoll, gönnend.
Cyprian fasst alle diese Gedanken einzigartig in seiner Schrift zusammen:
„Die Geduld ist es, die uns unserem Gott empfiehlt und bewahrt.
Sie ist es, die den Zorn mäßigt, die Zunge im Zaum hält, die den Sinn leitet, den Frieden behütet, die Zucht lenkt, die das Ungestüm der Begierde bricht, die Gewalt des Stolzes unterdrückt, den Brand der Feindschaft auslöscht, die Macht der Reichen in Schranken hält, die Not der Armen lindert, die an den Jungfrauen ihre glückselige Unschuld, an den Witwen ihre mühevolle Keuschheit, an den ehelich Verbundenen ihre unzertrennliche Liebe schützt.
Sie macht demütig im Glück, mutig im Unglück, sanftmütig gegen Unrecht und Kränkung.
Sie lehrt, den Fehlenden schnell zu verzeihen, wenn man aber selbst sich vergeht, lange und inständig [um Verzeihung] zu bitten.
Sie überwindet die Versuchungen, sie erträgt die Verfolgungen, sie führt das Leiden und das Martyrium zur Vollendung. Sie ist es, die die Grundlagen unseres Glaubens unerschütterlich befestigt, sie ist es, die das Wachstum unserer Hoffnung gewaltig fördert.
Sie leitet unser Tun und Lassen, so daß wir imstande sind, den Weg Christi einzuhalten, indem wir in seiner Geduld wandeln. Sie bewirkt es, dass wir Gottes Kinder bleiben, indem wir die Geduld des Vaters nachahmen.“


