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BEWEG:GRUND

Es ist wichtiger,
die eigenen Beweggründe zu erkennen,
als die Motive des anderen zu verstehen.
Dag Hammarskjöld, Jeder Tag – ein Leben, Verlag Neue Stadt, München, 2011, S. 7

Wir sind so schnell dabei, uns auf andere Menschen zu fixieren.
Auf ihr Reden, auf ihr Tun, auf ihre Motive.
Warum reden Menschen, was sie reden? Warum tun Menschen, was sie tun?
Schnell wird gemutmaßt – und oft ebenso schnell festgelegt, was Menschen im Innersten antreibt.
Die sozialen Medien und unsere persönlichen Gespräche sind voll von solchen Motiv-Vermutungen, Absicht-Ahnungen, Quellen-Forschungen. Es scheint, als würden viele Menschen Tag für Tag nichts anderes tun, als die Beweggründe anderer Menschen zu analysieren.
Klar. Viele versuchen, Motive zu verstehen … das ist gut.
Aber: Motive werden nur dann offenbar, wenn sie erfragt werden oder/und kommuniziert werden. Und selbst dann können wir nicht 100 %ig sicher sein, dass ehrlich und verständlich gesagt wird, was wirklich im Inneren abgeht.
Uns ist ja oft bei uns selbst nicht bewusst, warum wir eine bestimmte Aussage getroffen haben oder eine bestimmte Tat vollendet haben …
Eine schlüssige Wenn-Dann-Systematik funktioniert also bei der Analyse von inneren Motiven nur bedingt.
Vermutlich deshalb empfiehlt Dag Hammarskjöld, der schwedische UN-Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger, sich in erster Linie auf die eigenen Motive zu konzentrieren.
Bei uns selbst kommen wir näher an die wahren Beweggründe – vorausgesetzt wir paaren dabei Abstand und Aufrichtigkeit.
Abstand, um klarer und tiefer zu sehen –
Aufrichtigkeit, um bewusster und unbefangener zu verstehen.

Also:
Zieh dich raus und nimm dich wahr.
Prüfe die Motive deiner eigenen Taten, bevor du festzulegen versuchst, was der inneren Antrieb anderer ist.
Vielleicht ist das ja eine unserer Jahresaufgaben für 2026 …

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