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Wir brauchen einen Mantel mit zwei Taschen.
In der einen Tasche ist Staub, in der anderen Gold.
Wir brauchen einen Mantel mit zwei Taschen,
um uns daran zu erinnern, wer wir sind.
Chassidisches Sprichwort, aus: Parker J. Palmer, The Courage to Teach, Jossey-Bass San Francisco 2007, S. 113
Zwei Taschen, zwei Zustände, zwei Gegensätze … zwei Wahrheiten.
Staub und Gold,
Vergänglichkeit und Würde.
Endlichkeit und Ewigkeit.
Das hört sich fast so an, wie im Beitrag der vergangenen Woche – nur mit leichten Deutungsverschiebungen.
Ich weite deshalb dieses Staub-Gold-Bild mal aus, um die (Be)Deutung klarer zu haben:
Arm und reich.
Schwach und stark.
Maßlos und maßvoll.
Verletzend und tröstend.
Erbarmungslos und gnädig.
Beschränkt und befähigt.
Getrieben und bedacht.
Wir tragen beides in uns … an jedem Tag,
in jeder Beziehung,
an jedem Ort,
in jeder Situation.
Wir sollten nicht so leben, als hätten wir nur eine Tasche,
als lebten wir nur in einem der „Zustände“:
Wir sollten nicht so tun, als lebten wir nur im Defizit (Staub),
als hätten wir keine Stärken,
als gäbe es keine Leichtigkeit.
Wir sollten nicht so tun, als lebten wir in Perfektion,
als hätten wir keine Schwächen,
als gäbe es keine Schwere.
Als Mensch weiß ich, dass immer beide Seiten ins Leben gehören.
Als Christ weiß ich, dass die „goldene“ Seite nicht ohne Gott zu denken ist.
Mehr noch:
Durch Gott wird meine Stärke gestärkt,
meine Schwäche getragen,
mein Potential potenziert,
mein Versagen vergeben.
Mein „Gold“ vergoldet,
mein „Staub“ gesehen.
Das ist zumindest meine Erfahrung.
Im Bewusstsein beider „Manteltaschen“ will ich leben.


